Bericht zum Kolloquium 2025

Neuigkeiten aus dem Bereich des ÖPNV

Forschung, Verkehrspolitik und eine Fahrzeugausschreibung waren die Schwerpunkte des diesjährigen FSH e.V. Kolloquiums.

Nach Begrüßung der Teilnehmer durch unseren ersten Vorsitzenden, Prof. Dr.-Ing. Rolf Kretschmer, stellte Dr. Tobias Bettinger, unter dem Titel „Künstliche Intelligenz im Ingenieurwesen - von der Schwingkomfortbewertung in Straßenbahnen mittels maschinellen Lernens hin zur KI-Entwicklung in der Stahlindustrie“, die Ergebnisse seiner Dissertation vor. Diese Arbeit wurde in diesem Jahr durch den FSH e.V. gefördert.

Ausgangspunkt der Arbeit war, dass die im Vollbahnbereich zur Schwingkomfortbewertung herangezogene EN 12299 „Bahnanwendungen - Fahrkomfort für Fahrgäste - Messung und Auswertung“ das komplexe Bewegungsverhalten einer Straßenbahn im Bereich der BOStrab (Gleisgeometrie, Fahrparameter, Charakteristiken des Fahrzeugkonzepts) nicht vollumfänglich abbildet. Bisher wird hier bevorzugt das Wertziffer Verfahren angewendet.

Im Rahmen der Arbeit wurde eine Bewertungsmethodik des Schwingkomforts entwickelt, die auf Basis verschiedener Algorithmen, und unter Anwendung von Techniken des Maschinellen Lernens, eine Vorhersage des mittleren Schwingkomforts für die Fahrgäste in BOStrab Fahrzeugen ermöglicht.

Anschließend stellte Dr. Till Ackermann vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) die Zielsetzung der Politik, die Sicht des VDV als Vertreter der Verkehrsverbünde und Verkehrsbetriebe und die Zukunftsaussichten des Deutschlandtickets dar.

Nach dem initialen 9 € Ticket, das zeitweise zu hoher Auslastung insbesondere in den Zügen geführt hatte, folgte das politisch eingeführte 49 € Ticket. Damit sollte ein Anreiz geschaffen werden, durch einen günstigen Preis und ohne Tarifstrukturen verstehen zu müssen, vom individuellen Verkehr auf den ÖPNV umzusteigen.

Im Rückblick muss festgestellt werden, dass zur Einführung des Deutschlandtickets ein Großteil der Nutzer Umsteiger aus bisherigen Abonnement-Modellen (Wochen- und Monatskarten) war. Die Anzahl der verkauften Tickets hat sich in einer Größenordnung von rund 13 Mio. pro Monat stabilisiert. Weitere Umsteiger kommen heute überwiegend aus dem Bartarif. Neueinsteiger konnten mit dem Deutschlandticket nur sehr wenige gewonnen werden, ihr Anteil liegt im einstelligen Prozentbereich.

S-Bahn Hannover S-Bahn Hannover Linie S4 mit Ersatzfahrzeugen

Aus Sicht der Verkehrsverbünde und Verkehrsbetriebe ist positiv zu bewerten, dass mit dem Deutschlandticket eine wesentlich höhere Kundenbindung erreicht werden konnte (stark angestiegene Anzahl an Abonnements). Auch konnte der Vertrieb durch die weitere Digitalisierung und Vereinfachung des Ticketangebots vereinfacht werden.

Jedoch bleibt die Finanzlage der Verkehrsbetreiber weiter prekär. Die staatlichen Ausgleichsleistungen decken weiter nicht die Verluste aus dem entgangenen Verkauf der bisherigen Tickets, trotz des aktuell auf 58 €, im nächsten Jahr auf 63 € gestiegenen Verkaufspreises des Tickets.

Da im ÖPNV heute rund zwei Drittel der Fahrten mit dem Deutschlandticket durchgeführt werden, ist eine Rücknahme des Angebots eigentlich nicht mehr möglich ist. Trotzdem müssen neue Ideenansätze gefunden werden, das Angebot weiter attraktiv zu halten, auch branchenübergreifend. Weitere Nutzer müssen für das Angebot gewonnen werden, aber auch den finanziellen Zwängen der Betreiber muss Rechnung getragen werden.

Nach der obligatorischen Kaffeepause berichten Michael Bode von der ÜSTRA und Jörg Göpel von CAF über den neuen Stadtbahnwagen TW 4000 der ÜSTRA. Hr. Bode berichtete dabei detailliert über den Ausschreibungsprozess für die neue Stadtbahngeneration und gab einen Ausblick auf die Anforderung der Zulassung für das Fahrzeug.

So ist für jeden Fahrzeugtyp für jedes Netz, auf dem er eingesetzt werden soll, eine eigene Zulassung zu erwirken. Für eine gute Vergleichbarkeit der Angebote verschiedener Fahrzeuglieferanten ist eine hohe Anzahl an funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen im Ausschreibungslastenheft erforderlich. Vergaberechtlich muss in den Bewertungskriterien für das Angebot der Preis enthalten sein. Eine reine Bewertung nach der Technik des Fahrzeugs ist nicht zulässig.

Hr. Göpel stellte anschließend das in Umsetzung befindliche Fahrzeugkonzept als Antwort auf die Ausschreibung vor. Neben dem Fokus auf die technischen Details des Konzepts gab er auch Einblicke in die Design-(Weiter-)Entwicklung von den ersten Ausschreibungsentwürfen bis hin zum jetzt in Realisierung befindlichen Fahrzeug.

Nach über 4 Stunden hochinteressanter Vorträge und Diskussionen bestand wieder für alle Teilnehmer die Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen und zum weiteren Austausch untereinander.

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